PIDES – Senioren-Mentoring für den Berufseinstieg

Das Projekt PIDES* „Senioren-Mentoring für den Berufseinstieg“ der Arbeiterwohlfahrt Regionalverband Rhein-Erft & Euskirchen e.V. ist ein Generationenprojekt zur Unterstützung benachteiligter Jugendlicher.

Aktive Menschen der Generation 50 plus begleiten ehrenamtlich in einer Art Patenschaft junge Menschen am schwierigen Übergang Schule/Beruf. Als Mentor und Mentorin können Sie Jugendliche, die schulische Probleme haben, denen die familiäre Unterstützung fehlt und die den gesellschaftlichen Anforderungen nicht gewachsen sind, unterstützen und mit ihnen gemeinsame Schritte gehen, um eine Berufs- und Lebensperspektive zu entwickeln.
Auf dieser Seite finden Menschen, die an dieser ehrenamtlichen Arbeit interessiert sind, weitere Informationen, aber auch Jugendliche und Förderer können hier einen Überblick über unsere Arbeit erhalten.

Das Generationenprojekt PIDES wird gefördert vom Kreis Euskirchen und der Bürgerstiftung der Kreissparkasse Euskirchen

Aktuelles im Projekt Pides

Ausbildungspaten NRW –Kräfte bündeln und voneinander lernen. Im Netzwerk erfolgreicher

Ankündigung:


Der Übergang von der Schule in den Beruf ist eine wichtige Phase im Leben junger Menschen. Hier wird eine wesentliche Grundlage für ein erfülltes Arbeitsleben sowie persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg gelegt. Patenschaftsprojekte leisten einen wichtigen Beitrag zur Berufsorientierung und Integration. Zugleich stellen gesellschaftliche Veränderungen, wie etwa die Corona Pandemie, Patenschaftsprojekte vor große Herausforderungen. Im Netzwerk der Ausbildungspaten NRW gibt es 36 Ausbildungspatenprojekte. Ein starkes Netzwerk hilft, die Kräfte zu bündeln und Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Mit der kostenfreien und digitalen Veranstaltungsreihe möchten wir Akteuren von Patenschaften Anregungen für die eigene Praxis geben. Die kostenfreie Teilnahme an Einzelterminen ist möglich.

5.5. Digital, analog, hybrid – Gute Praxis für Patenschaften.
Die Pandemie hat uns gezwungen, auf altbewährte Kommunikationsstrukturen zu verzichten. Sie hat gleichzeitig Möglichkeiten eröffnet, auf andere Weise in Kontakt zu kommen. Wie gestalteten sich ehrenamtliche Patenschaften in Coronazeiten, was ging gar nicht und was können wir auch in Zukunft nutzen?
Link zur Teilnahme an der Veranstaltung am 5.5.2022 18:30 Uhr

2.6. Sprachlos? Tipps für das Verstehen und Fördern von Neu-Zugewanderten und Geflüchteten.
Sprache ist das wichtigste, um in Deutschland anzukommen. Neben professionellen Angeboten, kann auch die ehrenamtliche Unterstützung durch einen Paten/eine Patin viel bewirken. Was können Ehrenamtliche leisten, ohne sich überfordert zu fühlen?
Link zur Teilnahme an der Veranstaltung am 2.6.2022 18:30 Uhr

7.7. Bausteine auf dem langen Weg zum Erfolg.
Mit der Zielgruppe „benachteiligte Jugendliche“ ist der Weg zur Ausbildung oft länger: Es gibt meist physische, psychische Einschränkungen und Geflüchtete, die sich noch zurecht finden müssen. Eine erfolgreiche Patenschaft bedeutet nicht nur, dass eine Ausbildung gefunden wurde. Soziales Ehrenamt legt den Schwerpunkt nicht nur auf harte Faktoren, sondern auch weiche Erfolgsfaktoren. Was sind weiche Erfolgsfaktoren und wie kann ich diese sichtbar machen?
Link zur Teilnahme an der Veranstaltung am 7.7.2022 18:30 Uhr

4.8. Übergänge begleiten, Abbrüche verkraften.
Patenschaften begleiten beim Übergang von Schule und Beruf. Manchmal enden Patenschaften vorzeitig, auch Ausbildung können vorzeitig abgebrochen werden. Mit der letzten Veranstaltung unserer Reihe möchten wir das Thema: Übergang + Abbruch behandeln. Was gibt es für Gründe und Auslöser?
Link zur Teilnahme an der Veranstaltung am 4.8.2022 18:30 Uhr

Leitung und persönliche Ansprechpartner:innen für die Veranstaltungsreihe:
Astrid THÜRNAU (Pides, AWO Rhein-Erft Euskirchen); Sandra BERGES (AusbildungsPat*innen, Deutsches Rotes Kreuz Oberbergischer Kreis); Dr. Michaela HARMEIER (PfAu – Paten für Ausbildung, Freiwilligen-Agentur Diakonie); Anette MESSING (Bergischer AusbildungsPate, IPD Stiftung); Peter JENDREIKO (AusbildungsPaten im Kreis Recklinghausen e. V.)

Ein Patenprojekt mit großer Wirkung

Euskirchen. „Nur ein Nachmittag in der Woche reicht aus, um viele junge, benachteiligte Menschen auf die Schiene zu setzen“, versichert Uwe Koch. Der 79-Jährige muss es wissen: Nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2009 begann Koch, als ehrenamtlicher Mentor im Pides-Projekt des Awo-Regionalverbandes Rhein-Erft & Euskirchen zu arbeiten. 90 Jugendliche begleitete der ehemalige Marketingberater über kürzere und teilweise auch sehr lange Zeiträume und half ihnen, ihren Weg in ein eigenständiges Berufsleben zu meistern.

„Manchmal muss man die jungen Menschen nach dem Ende ihrer Schulzeit einzeln an die Hand nehmen und schauen, wie und wo man helfen kann“, sagte Koch im Rahmen eines Pressegesprächs. Manche der Jugendlichen kämen aus Elternhäusern, in denen kein Deutsch gesprochen werde, andere hätten wenig Rückhalt in der Familie. Für ihn sei es überaus hilfreich gewesen, seine eigenen Netzwerke zu bedienen: „Einem Mädchen habe ich bei meinem Steuerberater einen Praktikumsplatz verschaffen können. Für mich war es natürlich leicht, eine Brücke zu schlagen. Das Mädchen alleine hätte das nicht geschafft.“ Letztlich habe die junge Frau eine Lehrstelle bekommen und erfolgreich beendet.

Astrid Thürnau, die im Frühjahr die Pides-Projektleitung übernommen hat, betonte, dass Mentoren aus allen beruflichen Richtungen willkommen seien. Voraussetzung sei die Bereitschaft, sich einzulassen, Geduld zu zeigen, auch mal Nachhilfe zu geben, bei Behördengängen zu begleiten und bei der Berufsorientierung zu unterstützen. Allein gelassen würde dabei niemand: Nicht nur sie würde fachlich unterstützen, Rückhalt für die Ausbildungspaten gebe es auch durch die enge Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern sowie durch Austauschtreffen und Fortbildungen.

Wie gut ein Tandem aus Mentor und Jugendlichem funktionieren kann, erzählte Uwe Koch mit spürbarer Begeisterung für das Ehrenamt, das er nun wegen Corona und aus Altersgründen ruhen lassen will: Hamzeh Alderi, ein junger Syrer, der mit 17 Jahren alleine aus seiner Heimat flüchtete und ohne jegliche Sprachkenntnisse in Deutschland ankam, hatte eigentlich Zahnarzt werden wollen. Im August 2016 habe er den Jungen kennengelernt, der schnell Vertrauen zu ihm aufgebaut und dem er über die Jahre „väterlich unter die Arme gegriffen“ habe.

Monatelang, so Koch, habe er mit Hamzeh diskutiert, welche berufliche Richtung für ihn infrage käme. Denn ein Studium sei aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse nicht möglich gewesen. „Schließlich kamen wir auf die Idee, dass er Krankenpfleger werden könne.“ Uwe Koch organisierte ein Praktikum im Marien-Hospital, bei dem er „einen gewinnenden Eindruck hinterließ“. Letztlich nahm die Krankenpflegeschule Hamzeh auf, und er absolvierte seine Ausbildung, „die er 2020 mit der Note 2,3 beendet hat“, wie Koch nicht ohne Stolz berichtete. Mittlerweile mache Hamzeh Alderi, zu dem der Kontakt nicht abgerissen sei, neben der Arbeit im Krankenhaus ein Fernstudium zum Gesundheitsmanager. Uwe Koch: „Der junge Mann ist ein voller Gewinn für unsere Gesellschaft.“

Corona hat auch das Pides-Projekt ausgebremst — nicht nur, dass die Feier zum runden Geburtstag ins Wasser fallen musste, es sind auch viele Ehrenamtliche abgesprungen. Nun gelte es, das Projekt „mit Volldampf wieder nach vorne zu bringen“, so Thürnau. Zumal durch Corona „die Defizite mancher Jugendlicher größer sind denn je“.

Bewerbungstraining

Zwei Mentorinnen und ein Mentor des Projektes unterstützen die Schulsozialarbeit der AWO am Thomas-Eßer-Berufskolleg in Euskirchen. Mit Schülerinnen und Schülern der Ausbildungsvorbereitung wurden in den letzten Wochen Bewerbungsunterlagen erstellt, anschließend wurden Bewerbungsgespräche durchgeführt. Interesse an der individuellen Lebenssituation, konstruktives Feedback und ganz viel Ermutigung als Gewinn auf der einen Seite, Kontakt mit jungen Menschen und eine hohe Wertschätzung für die Kompetenz und Lebenserfahrung als Gewinn auf der anderen Seite.

Ein Presseartikel von Herrn Thomas Schmitz pp/Agentur ProfiPress

Ehrenamtler als Eltern-Ersatz – Am Berufskolleg Eifel in Kall will die Awo das Projekt Pides ausweiten – Menschen der Generation 50+, die benachteiligte Jugendliche unterstützen wollen, werden gesucht.
Kall – Im Bild, das man von einer perfekten Familie hat, kümmern sich die Eltern in allen Belangen um ihre Kinder. Sie pauken mit ihnen Mathe, bereiten sie auf Bewerbungen vor und sind Ratgeber in allen Lebenslagen. Doch leider gibt es auch Kinder, die dieses Glück nicht haben. Aus verschiedensten Gründen sind die Eltern nicht in der Lage, sich so um ihre Kinder zu kümmern, wie sie es benötigen.
Seit 15 Jahren verfolgt die Arbeiterwohlfahrt (Awo) das mehrfach ausgezeichnete Projekt Pides, ein Generationenprojekt für benachteiligte Jugendliche, die am Übergang von Schule zum Beruf stehen und nicht von ihren Eltern gefördert oder unterstützt werden können. Stattdessen helfen Ehrenamtler, die sich vorzugsweise im Ruhestand befinden. „Wir wollen die Fähigkeiten der Älteren nutzen, die sich für Menschen einbringen, die es nicht ganz so gut haben“, erklärte Helga Kühn-Mengel, Vorsitzende des Awo-Regionalverbandes bei einem Pressetermin im Berufskolleg Eifel in Kall.
Ehrenamtler und Schüler bilden ein Tandem. Pides-Projektleiterin Ute Bauer-Peil und Evelyn Drach, Schulsozialarbeiterin am Berufskolleg, versuchen, das perfekte Gespann zu finden. Geduld, Zuversicht und Lebenserfahrung sind gefragt, wenn man mitmachen will bei Pides. Alle sechs Wochen findet ein Erfahrungsaustausch statt. Wichtig ist: Die Verantwortlichen und die Ehrenamtler agieren stets auf Augenhöhe. „Wir lassen die Helfer nicht alleine und schicken sie unter anderem auf Fortbildungen“, erklärte Bauer-Peil. Im gesamten Kreis Euskirchen gibt es 20 Ehrenamtler. In Kall, wo eine größere Gruppe sich im Aufbau befindet, sind momentan fünf davon im Einsatz.
„Die Ehrenamtler erleichtern unsere praktische Arbeit enorm“, sagt Evelyn Drach, die seit 2018 als Schulsozialarbeiterin am Berufskolleg Eifel tätig ist. Sie unterstützen da, wo die Kapazitäten der Schulsozialarbeit eingeschränkt sind, etwa bei Behördengängen, wenn es um Leistungen oder Bafög geht. Außerdem halten die Ehrenamtler Kontakt zu Betrieben, denn oftmals suchen die Schüler auch ein Praktikum.
„Diese Herzarbeit tut gut“ – Wie geholfen wird, ist unterschiedlich. Angela Gasber aus Pesch ist ehemalige Pflegedienstleiterin und hilft einem jungen Mann ohne Eltern. „Er hat mich mittlerweile angenommen wie eine Mama“, erzählt sie. Der Grund, warum sie hilft, ist einfach. „Ich will der Gesellschaft etwas zurückgeben. Und diese Herzarbeit tut gut“, sagt die Mutter von erwachsenen Kindern. Einmal pro Woche trifft sie sich mit „ihrem“ Schüler, der derzeit ein Praktikum absolviert und einen gezielten Berufswunsch geäußert hat.
Bruno Liebaug aus Kall macht da weiter, wo er beruflich als Gymnasiallehrer aufgehört hat: Er unterrichtet Mathe und Physik in einer internationalen Förderklasse, die aus drei bis sieben Schülern besteht. Als Mitglied der Flüchtlingshilfe Kall kümmert er sich auch um Geflüchtete. „Ich bin schon von einer Tochter einer Geflüchteten liebevoll als Opa bezeichnet worden“, erzählt er lachend.
Mathematik unterrichtet auch Georg Wingartz aus Schleiden. Der frühere Bauingenieur sieht Vorteile, das als Ehrenamtler zu tun. „Es ist ungezwungener, lockerer. Ich suche den Kontakt zu den Jugendlichen und sehe mich in ihnen auch wieder“, erzählt er. Bereits während des Kosovo-Krieges hatte er sich in Krefeld um Geflüchtete gekümmert. In der Eifel betreut er auch einen jungen Afghanen, der Pflasterer werden will. „Ich helfe ihm bei der Vorbereitung zur Gesellenprüfung. Ich finde, die Mitarbeit am Projekt ist eine tolle Aufgabe“, sagt Wingartz.
Die Arbeiterwohlfahrt und das Berufskolleg Eifel suchen derzeit weitere Unterstützer aus der Generation 50+ für das Projekt Pides, die jungen Menschen helfen wollen, ihren Weg in Richtung Ausbildung und Beruf zu gehen. Erreichbar ist Projektleiterin Ute Bauer-Peil unter 02445/850530 oder per Mail u.bauer-peil@awo-bm-eu.de.

Helga Kühn-Mengel (3.v.r.), Ute Bauer-Peil (2.v.l.) und Evelyn Drach (2.v.r.) stellten das Pides-Projekt vor, das Bruno Liebaug (l.),
Angela Gasber (3.v.l.) und Georg Wingartz (r.) ehrenamtlich unterstützen. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Das Projekt PIDES ist Teil des Netzwerks „AusbildungsPatenProjekte NRW“, das sich zweimal jährlich in der Staatskanzlei in Düsseldorf trifft. Die Treffen dienen dem Austausch und der Weiterentwicklung von Qualitätsstandards in Patenprojekten. Themen wie: Unverbindlichkeit der Jugendlichen, Probleme in der Zusammenarbeit mit den Schulen, Akquise von Ehrenamtlichen, etc. können besprochen und Lösungsstrategien erarbeitet werden.

Projektleiterin Ute Bauer-Peil (4. von rechts) auf dem Treffen am 27. März 2019


Projekt PIDES ist Mitglied im Netzwerk AusbildungsPatenProjekte

* der Name PIDES:
PIDES war ursprünglich die Abkürzung für das Vorläufer EU Projekt mit dem Namen « Projet intergenerationel pour le developpement de l’économie sociale ». Der Name hat sich gehalten.